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20 Minuten und Sunrise holen Orishas als Act für die sechste Ausgabe von "The Showcase" nach Zürich.
Türöffnung: 19.00h mit BBQ
Showtime: 20.30h
Dauer: ca. 45min
Tickets gibt es keine zu kaufen, sondern nur zu gewinnen. Alle Infos und Verlosungsteilnahme auf www.theshowcase.20min.ch oder www.sunrise.ch/musicworld Zutritt unter 18 Jahren nur in Begleitung von Erwachsenen
Orishas - Cosita Buena
Knapp zehn Jahre ist es her, dass eine bis dahin vollkommen unbekannte Band ihre ganz eigene Revolution startete. In der Musik der Orishas, die sich Ende der Neunziger im Pariser Exil formierten, spiegelte sich von Anbeginn an der vielfältige musikalische Reichtum Kubas wider. Gleichzeitig bildeten die drei kubanischen Musiker Roldán González, Hiram Riveri „Ruzzo“ und Yotuel Romero eine schlagkräftige HipHop-Band, deren perfekte Symbiose aus kubanischer Tradition und moderner Rapmusik so innovativ wie wegweisend war. Nun legen die Orishas mit „Cosita Buena“ nach der im Frühjahr letzten Jahres erschienenen Karriereretrospektive „Antidiótico“ ihr viertes Studioalbum vor. Aufgenommen haben sie es im Februar im Samurai Studio in Madrid, abgemischt wurde es in Brüssel von Tim Latham (Fun Lovin‘ Criminals, Erykah Badu, De La Soul) und für das Master aus dem Sterling Sound von New York war Tom Coyne (Beyoncé, Kayne West, DJ Shadow) verantwortlich. Bei den zwölf eigentlichen Albumtracks – Track 13, „Hip Hop Conga“, ist ein Bonus-Track, ihr offizieller Beitrag zum diesjährigen Karneval von Santa Cruz auf Teneriffa – spürt man, dass das Trio sich ein wenig von dem starken Einfluss kubanischer Musiktradition gelöst hat. Der Sound der Orishas hat sich quasi verselbständigt, sie klingen nun noch griffiger, geradliniger und deutlich internationaler.
Schon der Albumopener und Titelsong „Cosita Buena“ klingt erfrischend anders. Was mit einem wunderbaren Jazzsample beginnt, entwickelt sich zu einem rhythmischen HipHop-Abenteuer, bei dem die Orishas ihre Sprachverliebtheit auf spielerische Art und Weise ausleben. „Mani“, eigentlich eine Bezeichnung für Erdnüsse, den Lieblingssnack auf Kuba, wird als Synonym für Drogen benutzt, um die sich eine eher tragikomische Verfolgungsgeschichte entspinnt, während die Akustikgitarren hier erstaunlich pop-orientiert klingen. Apropos Pop, die Pianoakkorde, um die sich die Single „Bruja“ aufbaut, möchte man fast als beatlesk bezeichnen. Das könnte glatt ein Hit werden. Dabei gehören die kruden Lyrics, geschrieben aus der Perspektive eines Mannes, der sich von einem Flittchen ausgenutzt fühlt, zu den provokantesten, die die Orishas jemals geschrieben haben.
An bissigen Texten herrscht auf dem neuen Album wahrlich kein Mangel. Schließlich haben sich die Lebensumstände ihrer Landsleute auch nach dem Rücktritt von Fidel Castro noch nicht entscheidend geändert. Aber die Orishas geben die Hoffnung nicht auf, und so kommen die mit einer schönen Tres-Gitarre verzierten Durchhalteparolen von „Camina“ von ganzem Herzen. „Que Quedo Claro“ redet noch deutlicher Klartext, ist dies doch ein musikalisch mitreißendes Plädoyer gegen Ungerechtigkeit und Rassismus, ein Appell zu mehr Zivilcourage. Auch „Machete“ ist ein Aufruf zur Rebellion gegen Unterdrückung und setzt mit martialischen Beats einen historischen Bezug zum Sklavenaufstand im 19. Jhd. gegen die spanische Kolonialherrschaft. Natürlich widmen sie sich – wie dies jedem Exilkubaner eine Herzensangelegenheit ist – auch aus einer tiefen Sehnsucht heraus mit innigen Reflexionen ihrer Heimat. „Borrón“ ist ein detailreiches und nostalgisch gefärbtes Puzzle von Kindheitserinnerungen. Und „Mírame“ ist die große überfällige Latin-Pop-Hymne auf die Mutterliebe. Zu den dancefloor-tauglichsten Stücken des neuen Albums zählen „Guajira“, ein Salsa, der die Geschichte des kubanischen HipHop noch einmal aufrollt, sowie der Timba (eine Salsa-Spielart) „Isi“, der auf eher amüsante Art und Weise von der Wirkung von Ecstasy berichtet, aber auch nüchtern für Ekstase auf den Dancefloors sorgen dürfte. „Público“, ein kleines Dankeschön an ihre treuen Anhänger und tanzfreudigen Konzertbesucher, ist ebenfalls einer dieser leidenschaftlichen Salsas, die wie ein Blitz in die Knochen fahren. „Melodías“ hingegen greift zurück auf den Salsa der Siebziger, der sehr funkbetont war und mit seinen galanten Bläsersätzen sowohl in New York (Héctor Lavoe) als auch auf Kuba (Irakere) ausgezeichnete Protagonisten hatte. Überdreht und ausgelassen gebärden sich die Orishas auch bei ihrem musikalischen Beitrag zum diesjährigen Karneval von Santa Cruz: „HipHop Conga“ ist eine Percussion-Orgie, wie sie eigentlich typisch für Santiago de Cuba ist.
Mit nur drei Alben haben die Orishas künstlerisch neue Maßstäbe in der Musik unserer Zeit setzen können. Roldán, Ruzzo und Yotuel stammen ursprünglich aus Havanna, lernten sich in Paris kennen und leben heute verstreut über Europa in Madrid, Mailand und Paris. Mit ihren ersten drei Longplayern, deren noch immer ungemein frisch klingenden Hymnen „Represent“, „Qué Pasa?“ und „Nací Orishas“ längst in Fleisch und Blut übergegangen sind, haben sich die Orishas mittlerweile auch in den USA und Lateinamerika Respekt verschafft. Begonnen hatte alles am Ende der letzten Dekade, als Ruzzo und Yotuel, die sich zuvor als Rapper bei der kubanischen HipHop-Band Amenaza einen Namen gemacht hatten, und Roldán, der traditionelle kubanische Musik in der Band Rico Son machte, sich entschlossen, eine gemeinsame Band zu gründen. Bei der musikalischen Vorgeschichte lag es auf der Hand, den Versuch zu starten, HipHop und traditionelle kubanische Musik zu verbinden.
Orishas, ein afrikanischer Begriff der Yoruba-Sprache, der soviel wie 'Halbgott' bedeutet, veröffentlichten im Mai 1999 ihr Debütalbum „A lo cubano“ und das war nicht mehr und nicht weniger als ein erster kleiner Geniestreich. Noch nie war es einer Band gelungen, so schlüssig, wohlklingend und vor allem massenwirksam die vielfältigen kubanischen Rhythmen und stilistischen Spielarten in ein HipHop-Album einzubetten. „A lo cubano“ avancierte denn auch zum ersten HipHop-Album, das in Spanien mit mehr als 100.000 verkauften Einheiten Platinstatus erreichte. In Frankreich und der Schweiz wurde das Erstlingswerk mit Gold ausgezeichnet. Die Orishas traten in der Folge im Pariser Olympia und in der Royal Festival Hall in London sowie auf allen erdenklichen europäischen Festivals auf. In Deutschland standen sie ebenfalls schnell hoch im Kurs. Langsam zogen die Orishas immer größere Kreise, tourten durch die USA, Kanada, Südafrika, Brasilien, Mexiko und traten schlussendlich auch in Havanna auf, wo sie bei ihrem ersten Konzert vor 50.000 Landsleuten spielten.
Nach weltweit mehr als 200 Konzerten begaben die Orishas sich im Sommer 2001 ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen. „Emigrante“, veröffentlicht im Frühjahr 2002, klang, als wäre die Band von ihrem phänomenalen Erfolg musikalisch angefeuert worden. Das Album war weitaus melodiöser, aber unterschwellig viel tiefgründiger und in ihren Songs nahm die Band auch kontroverse Themen in Angriff. Nach ihrer anschließenden, zehn Länder umfassenden Tournee waren die Orishas endgültig in die Champions League aufgestiegen. Sie spielten auf den besten Festivals, wurden vom Time Magazine neben U2, Radiohead und Pulp als eine der besten ausländischen Bands gewählt und gewannen den Latin Grammy für das beste HipHop/Rap-Album. Außerdem waren sie nominiert für einen Grammy in den Kategorien Best Latin Rock/Alternative Album und Best International HipHop-Album. Das renommierte HipHop-Magazin Source kürte „Emigrante“ gar zur Bibel in ihrem Genre. In knapp vier Jahren hatten die Orishas den riesigen Sprung vom World-Music-Geheimtipp zum hippen Global Player geschafft. Im Februar 2005 folgte das dritte Album „El Kilo“. Kokett benannt nach einer auf Kuba geläufigen Bezeichnung für einen Centavo, war auch der dritte Longplayer im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Die zündende Mischung aus dem rhythmischen Feuerwerk von „A lo cubano“ und der melodischen Farbenpracht von „Emigrante“ charakterisierte das Album „El Kilo“, das in Spanien den Premio de la Música als bestes HipHop-Album gewann und in der Schweiz, Portugal und Spanien mit Gold veredelt wurde. Erneut wurden die Orishas für die Grammys und die Latin Grammys nominiert, was ihr internationales Renommee weiter festigte. Im letzten Jahr erschien dann mit „Antidiótico“ eine Compilation, die nicht nur ihre repräsentativsten und populärsten sowie zwei neue Songs enthielt, sondern auch mit prächtigen Kollaborationen mit der Französin Kayliah, dem Portugiesen Da Weasel und dem Spanier Carlos Jean glänzte und auf der DVD der Special Edition mit allen Videoclips aufwartete. Drei Latin Grammy Nominierungen (Best Urban Music Album, Best Urban Song und Best Video) waren der Lohn für diese reichhaltige Retrospektive. Für die gemeinsam mit Calle 13 aufgenommene Single „Pal Norte“ bekamen sie einen Latin Grammy und krönten so ein weiteres Erfolgsjahr in ihrer phänomenalen Karriere. Die Orishas im Jahr 2008, da gibt es kein Vertun, sind eine unverzichtbare Institution. Die Rebellion auf den Tanzflächen und in den Herzen geht weiter. Fürwahr, cosita buena, das ist etwas Gutes.
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