The Notwist @ Theaterhaus Jena, Jena (Wed Aug 20, 2008)
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The Notwist
Deutschland
The Notwist
Wenn Jochen Distelmeyer und Frank Spilker die Hamburger Schule begründet haben, und Xavier Naidoo für die Mannheim-Connection steht, so ist The Notwist seit nunmehr zwanzig Jahren das Zentrum des, sagen wir mal: Weilheim-Wunders. Denn in dem idyllischen Städtchen in Oberbayern entstand irgendwann gegen Ende der 80er Jahre etwas Großartiges, es rumorte in den örtlichen Musikschul-Bands, und die Stürmer und Dränger quälten ihre Verzerrer bis der Arzt kam. Zentral verhandelt wurde die Frage, die Justus Köhnke einmal sehr prägnant formulierte: Was ist Musik?
Den Feldversuch unternahmen die beiden Brüder Markus und Micha Acher ab 1989 als The Notwist. Der Weg führte sie über höchst verschlungene Pfade, beginnend bei metallischen Hardcore, über elektrifizierten Indierock bis hin zu experimenteller Popmusik. Unterwegs bildeten sich Weilheimer Schlaufen, Nebenwege und Side-Projects zu Hauf. Das Tied & Tickled Trio entstand hier, ebenso Lali Puna, Console und 13&God. In der Nachbargemeinde Landsberg etablierte sich das Label Hausmusik, in Weilheim Payola und Kollaps. Und im Zentrum des ganzen Aufruhrs saßen die beiden Acher-Brüder, mischten in fast allen anderen Gruppierungen mit und ritten als The Notwist selbst mit fliegenden Fahnen voran (verstärkt ab 1997 um den Elektronikpapst Martin Gretschmann alias Console).
Getrieben von der Suche nach DER Musik, erforschten sie den Punk-Metal, der ihnen 1990 zu einer Kickstart-Tour mit Jesus Lizard und Bad Religion verhalf. Dann ging es Richtung Elektronika, mit Ausläufern in die Texturen des Jazz und die Verbindlichkeiten des Pop, bis schließlich alle Pfade auf eine gemeinsame Lichtung mündeten: das Album „Neon Golden“ von 2002. Mit diesem Album gaben The Notwist durchaus eine gültige Antwort auf die große Frage. Sie definierten ihren eigenen Standart, sie zeigten eine Musik die gleichzeitig clever und intuitiv ist, genauso international wie eigenständig, introvertiert wie die Welt umarmend.
Natürlich, es ist schwer, sich von einer solch sonnendurchfluteten Lichtung wieder zu lösen und den Weg weiterzugehen. Aber Gretschmann und die Acher-Brüder hatten ja ihre Weilheim-Wunderwaffen. Man stürzte sich in besagte Kooperationen, zum Beispiel mit den Avantgarde-HipHoppern von Themselves als 13&God oder wirkte vor allem mit Regisseur Hans-Christian Schmidt an diversen Filmsoundtracks mit. 2006 entschwanden sie dann neuerlich ins Studio, um an einem Neon-Golden-Nachfolger zu arbeiten. Das Ergebnis – „the devil, you + me“ – erschien pünktlich am 2. Mai 2008 und ist so etwas wie die Transzendierung des Meilensteines „Neon Golden“. Wenn es nicht mehr weitergeht auf dem Erdenpfad, dann wende man sich nach oben. The Notwist haben das beherzigt und ihre intimen, jazzangehauchten Elektronica-Kunstwelten gen interstellare Weiten geöffnet. Damit haben sie wieder eine neue Tür gefunden, die sie dem klassischen Genre Indierock öffnen konnten.
Markus Acher: Gitarre, Gesang, Michael Acher: Bass, Martin Gretschmann: Elektronics
www.notwist.com

